Interviews mit den Finalisten

Graphs to Fight Diabetes

Zusammenhänge erkennen mithilfe der Graphtechnologie

Bei der Erforschung des Diabetes fallen weltweit riesige Mengen von Daten an, die teils unstrukturiert in „Datensilos“ schlummern. Diese Daten miteinander zu verknüpfen und auswertbar zu machen, ist das Ziel von „Graphs to Fight Diabetes“. Wir haben mit dem Projektleiter Dr. Alexander Jarasch darüber gesprochen, wo Graphtechnologie eingesetzt werden kann und wie der bytes4diabetes-Award dazu geführt hat, die Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema zu erhöhen.

Alexander, Anfang des Jahres warst Du auf der DiaTec in Berlin. Dein Projekt Graphs to Fight Diabetes wurde bei der Preisverleihung des bytes4diabetes-Awards mit dem 2. Platz ausgezeichnet und Du konntest die Graphtechnologie einem größeren Fachpublikum präsentieren. An was denkst Du, wenn Du zurückschaust?

Die Preisverleihung ist mir natürlich sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Einerseits, weil ich einen Preis gewonnen habe, andererseits, weil es für das Projekt Graphs to Fight Diabetes und für das Thema Graphtechnologie eine sehr große Aufmerksamkeit gab. Sowohl fachlich als auch zum DZD (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, München) und zu meiner Person. Auch der rege Austausch mit den Finalisten, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Diabetologie kamen, war sehr bereichernd.


Konntest Du diesen Schwung aus der Preisverleihung mitnehmen?

Ja, absolut! Da gab es schon deutliche Veränderungen: Ich bekomme viele Anfragen fachlicher und technischer Art, mal einen Kommentar abzugeben, mal etwas in Richtung Graphtechnologie zu erzählen oder in beratender Funktion tätig zu werden. Das ist erheblich mehr geworden seit Januar.

Ein Punkt, den ich gern ansprechen möchte, ist die IT-Infrastruktur im Gesundheitsbereich, die immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. So ist es sehr schwierig, hier Fördergelder und Unterstützung zu bekommen. Der bytes4diabetes-Award war für uns eine tolle Möglichkeit, dieses wichtige Thema mehr in den Fokus zu rücken.


Welche Chancen bietet der bytes4diabetes-Award mit der Präsenz auf der DiaTec aus Deiner Sicht jungen Entwicklern?

Ich war bei der Veranstaltung ja ein bisschen der Exot, weil ich deutlich weniger am Patienten arbeite und mehr für die Forscher. Aber das ist natürlich ein großartiges Gefühl, wenn man Aufmerksamkeit bekommt, wenn über das eigene Projekt geschrieben wird und wenn Ärzte auf einen zukommen und sagen: „Darüber würde ich gern mehr wissen, könnte man da nicht zusammenarbeiten?“ oder: „Kann man das mit einem Praxissystem verbinden?“ Das ist eine zusätzliche Motivation, auch für meine Mitarbeiter im Team.


Was hat sich denn seit der Preisverleihung bei Graphs to Fight Diabetes getan?

Wir konnten seither unser Team vergrößern und legen unseren Fokus zusätzlich zum Diabetes auch auf die Folgeerkrankungen – etwa Alzheimer, Krebs, Lungenkrankheiten, aber auch Depression. Covid-19 ist das jüngste Beispiel. In den ersten drei Monaten nach Auftreten der Erkrankung sind circa 50 000 Textdokumente in wissenschaftlichen Publikationen zur Erkrankung erschienen. Das kann kein Mensch mehr lesen, geschweige denn verstehen. Hier setzen wir an und überlegen uns, wie diese Dokumente mithilfe digitaler Methoden automatisch analysiert und verständlich gemacht werden können. Die Graphtechnologie, die wir für das Verknüpfen der Daten im Diabetesbereich anwenden, kommt auch hier zum Einsatz. Unterm Strich ist das eine große Erleichterung für Wissenschaftler und Mediziner, Verbindungen zwischen Daten zu suchen und zu finden.


Welche Unterstützung erhaltet Ihr vonseiten der Industrie?

Sehr große! Ich glaube, da hat auch tatsächlich der Award geholfen. Wir haben das als Nebenprojekt angefangen und uns gefragt, wer uns unterstützen kann. Als Antwort kam häufig: „Wir haben von der Auszeichnung für Graph to Fight Diabetes erfahren und hätten Interesse an einer Zusammenarbeit.“ Mittlerweile sind es bereits über zehn große, weltweit verteilte Firmen, die sehr eng bei diesem Projekt zusammenarbeiten – auch solche, die normalerweise große Pharma- und Biotech-Konzerne als Kunden haben. Kurzum – eine sehr positive Resonanz.


Abschließend möchte ich von Dir wissen: Welchen Ratschlag hast Du für junge Gründer oder IT-Entwickler?

Wenn man eine Idee hat, einfach mal hinsetzen und basteln! Aber auch in kurzen Zeitabständen mit den Anwendern im Austausch sein, sonst entwickelt man eventuell völlig an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei.


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